SXEU31 DWAV 310800

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 31.07.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: BM

Heute teils unwetterartige Gewitter. Am Wochenende nur im Süden einzelne 
kräftige Gewitter, lokal Unwetter. Heute im Süden eine hohe Wärmebelastung, 
danach von Norden kühler, ab Sonntag von Südwesten wieder heißer.

Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC
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Freitag... dauert das stationäre Wellenmuster der Rossbywellen weiter an in Form
eines von Südwesteuropa ins Baltikum gerichteten Höhenkeils und eines positiv 
geneigten Langwellentroges über Nordwesteuropa. In der dazwischen aufgespannten 
aktiven Frontalzone werden wiederholt Kurzwellen mit variabler Intensität 
nordostwärts geführt und interagieren mit einem quasi-stationären Frontenzug, 
der sich von Frankreich über Deutschland bis nach Skandinavien erstreckt. 
Entlang dieser Front werden wiederholt transiente Bodentiefentwicklungen 
berechnet, was im IFS-ENS u.a. über der westlichen Mitte und über Holland mit 
einer stärkeren Konzentration an Membern auszumachen ist. 

Deutschland liegt heute im Einflussbereich einer zyklonal geprägten 
südwestlichen Höhenströmung, wobei wir im rechten Einzugsbereich eines breiten 
Höhenjets liegend besonders über der Mitte und dem Süden zeitweise 
Höhendivergenz erwarten können.

Der Tag beginnt dabei im Süden und Osten mit viel Sonnenschein, wobei es im 
Süden am Vormittag in einer geringfügig labilen/abgehobenen Schicht 
vorübergehend für einige Schauer und einzelne Gewitter reicht. Im Westen und 
besonders im Nordwesten dominiert nahe der Frontalzone dichte Bewölkung, 
Niederschlag ist aber bis zum Mittag meist nur im Umfeld der Deutschen Bucht und
vor allem im Grenzbereich zu Dänemark zu erwarten.

Ab dem Mittag sorgt die besonders im Süden und Osten weiterhin üppige 
Einstrahlung für den Aufbau von 500 bis 1000 J/kg MLCAPE, die teils ungedeckelt,
teils mit einem schwachen Restdeckel bei rund 800 hPa einhergehen. Dabei werden 
die höchsten Feuchtewerte innerhalb der Grenzschicht peripher des wellenden 
Frontenzuges erwartet, was grob die Mitte von Deutschland betrifft. Besonders im
Süden dominiert weiterhin eine hochreichend durchmischte Luftmasse mit hohen 
Kondensationsniveaus.

Grundsätzlich sind die Hebungsbedingungen besonders aus der synoptischen Skala 
überschaubar, flattert die südwestliche Höhenströmung mit Passage der Wellen 
doch nur leicht. Zudem weisen diese in PV cross sections auch nur eine 
überschaubare Intensität auf. Dennoch braucht es nicht viel, um über der Mitte 
und dem Süden im Nachmittagsverlauf einzelne Zellen zu entwickeln - über der 
Mitte im Zusammenspiel zwischen Front und Orografie, im Süden bevorzugt entlang 
der Orografie.

Im Vergleich zu gestern überschätzten aber einige Modelle (u.a. auch das ID2) 
die grenzschichtnahe Luftmassenqualität rückseitig der gestern nordostwärts 
durchschwenkenden Druckwelle/Kurzwelle und sagen heute eine nahezu 3-4 g/kg 
geringere Grenzschichtfeuchte über der westlichen Mitte vorher. Entsprechend 
richtet sich der Fokus für Gewitterentwicklung mittlerweile mehr auf die 
östliche Mitte, wo MLCAPE um 1500 J/kg wenigsten regional möglich ist. Besonders
im Süden könnte das ECAPE dank trockenerer Luft in der mittleren Troposphäre 
ebenfalls die realen CAPE Werte drücken.

Die Scherung hingegen ist überall ausreichend für organisierte Multizellen bis 
Superzellen dank hochreichender Scherung um 15 m/s im Süden und 20 m/s über der 
Mitte (dort dank der Nähe zur Frontalzone auch mit bis zu 15 m/s in untersten 3 
km). Die Hodographen sind lang und recht gerade, was Zellteilung unterstützt. 
Allerdings weisen die Hodographen bei vorherrschender WLA eine leichte Krümmung 
auf, was einzelne rechts ausscherende Superzellen über der östlichen Mitte 
favorisiert. Besonders grob vom Spessart ostwärts bis nach Sachsen werden 
wiederholt einige giftige Zellen im UH track hervorgehoben, im EPS mehr als im 
det. Lauf. Die Wahrheit wird wohl dazwischen liegen (nicht so defensiv wie im 
det. Lauf). Einige langlebige Superzellen bringen dabei teils großen Hagel, 
schwere Sturmböen und heftigen Starkregen um 25 l/qm/h. Trotz einer 
Konzentration der Signale in Sachsen drängt sich eine Vorabinformation aktuell 
noch nicht auf.

Im Süden sollten sich ab dem Mittag im Umfeld der Schwäbischen Alb und entlang 
der Alpen Gewitter entwickeln, die bei LCLs um 3 km und DCAPE um 1000 J/kg mit 
einem sehr hohen Böenpotenzial einhergehen. Im ID2-EPS wird dies besonders 
deutlich mit teils extremen Windspitzen hervorgehoben. Allerdings sollte man im 
Hinterkopf behalten, dass ggf. das ECAPE recht niedrig ausfällt und dass die 
Numerik bei solch extremen Durchmischungen nicht selten Probleme bei der 
Grenzschichtdynamik hat und mit extremen Windspitzen "davongaloppiert". Daher 
sollte man im Nowcast genau verfolgen, inwieweit eine gewittrige Verclusterung 
inkl. cold pool einsetzt. Grundsätzlich wird aktuell mit Bft 8 bis 9 Böen 
gerechnet, strichweise auch mit Bft 10-11, wobei hier die höchsten 
Wahrscheinlichkeiten östlich der Isar bestehen. Ein ausgereiztes markantes 
Böenrisiko kann aber auch mit der Konvektion von der Alb strichweise nicht 
ausgeschlossen werden. Kleiner Hagel tritt ebenso auf wie Starkregen bis 25 
l/qm/h entlang der Alpen und in Richtung Niederbayern.

Bleibt noch der äußerste Nordwesten zu nenne, wo sich ein seichtes Bodentief von
Holland nach Norddeutschland verlagert. In dessen Umfeld sorgen verstärkte 
Hebung und sehr gute Scherung für das Risiko einzelner organisierter Gewitter, 
und eine länger lebende Superzelle kann nicht ausgeschlossen werden, die mit 
Hagel, Starkregen und stürmischen Böen einhergeht. Dies wird aber im EPS recht 
zurückhaltend gesehen und die fehlende Einstrahlung sollte eher hemmend wirken, 
wenngleich die Bewölkung zum Nachmittag aufreißt.

Unter dem Strich werden viele heute einen teils sonnigen, teils bewölkten 
Freitag ohne viel "tamtam" erleben und leider auch ohne den sehnlichst 
erwartenden Regen.

Die Höchstwerte liegen im äußersten Norden zwischen 20 und 24 Grad, anschließend
bis zur Mitte zwischen 25 und 34 Grad und besonders in Bayern zwischen 33 und 37
Grad.
Abseits von Konvektionsböen weht der Wind schwach bis mäßig aus West bis 
Nordwest, im Nordosten aus Nordost und kann im Süden zeitweise (u.a. mit 
Passagen von ungewittrigen Druckwellen) stark böig aus Westen auffrischen.


In der Nacht zum Samstag wird zunächst die teils noch unwetterartige Konvektion 
in Sachsen und Bayern nach Polen/Tschechien und Österreich weitergereicht, doch 
in der südwestlichen Höhenströmung setzt keine durchgreifende Wetterberuhigung 
ein.

Das seichte und in Richtung Ostsee driftende Bodentief spannt einen 
umfangreichen Warmsektor im Nordosten der Republik auf und auch eine transiente 
Zirkulation über der östlichen Mitte zieht langsam ostwärts ab. Summa summarum 
nimmt zwar der niedertrop. (Temperatur)Deckel rasch zu, es bleibt aber mit 600 
bis 1200 J/kg MUCAPE ausreichend Labilität vorhanden, sodass sich bei guter 
Windscherung weiterhin einzelne, teils kräftige Gewitter entwickeln, die 
nordostwärts ziehen. Hagel und punktuell heftiger Starkregen stehen im Fokus.

Eine weitere Baustelle ist die Konvektion aus Frankreich, die unter 
Verclusterung zum Abend/zur frühen Nacht im Südwesten eintrifft und dort (noch 
nahezu surface based) mit markanten Böen (Bft 8 bis 9), lokal mit Hagel und 
Starkregen um 20 l/qm/h nordostwärts zieht. Man muss allerdings im Nowcast 
schauen, wann genau und wie organisiert der Cluster den Südwesten erreicht und 
auch ein stärkeres konvektives Windereignis kann nicht ausgeschlossen werden. 
Dieser Cluster zieht nach Mitternacht in den Osten der Republik, wobei 
abgehobene Labilität und PPWs bis 40 mm auf ein erhöhtes Starkregenpotenzial 
hinweisen (u.a. auch durch eine Anfeuchtung der Grenzschicht). Das ID2-EPS zeigt
dabei auch Signale für unwetterartige Mengen (sei es einstündig, oder auch 
mehrstündig) und bei wiederholter Passage von konvektiven Elementen können bei 
dem Feuchtegehalt lokal auch extreme Niederschlagsmengen (um 40 l/qm/h) nicht 
ausgeschlossen werden. Besonders im Nordwesten verläuft die Nacht zwar bewölkt, 
aber meist trocken.

Die Minima liegen zwischen 20 und 15 Grad, im Nordwesten postfrontal der 
Kaltfront zwischen 14 und 10 Grad bei einem (abseits der Konvektion) nur 
schwachen Westwind.
  


Samstag... erfolgt über Norddeutschland eine Trogpassage, die die schleifende 
Kaltfront noch etwas weiter nach Südosten drückt (im IFS-ENS mit moderater 
zonaler Streuung in etwa von Rügen bis ins Saarland verlaufend).

Dabei beginnt der Tag im Osten noch mit dem ostwärts abziehenden gewittrigen 
Cluster (MCS) und der allmählich abebbenden (teils unwetterartigen) 
Starkregengefahr. Spätestens zur Mittagszeit klingt hier der Niederschlag ab.

Ansonsten verläuft der Tag peripher der Front recht bewölkt und dank der sich 
südlich absetzenden feuchten Grenzschicht meist auch stabil/trocken. Der Fokus 
für einzelne Gewitter liegt in etwas südlich der Donau, wo sich zum Nachmittag 
und Abend einige Multizellen entwickeln könne, direkt am östlichen Alpenrand 
dank stärkerer Scherung durch alpines Pumpen auch eine Superzelle. Die 
vergleichsweise höchste Unwettergefahr besteht am direkten Alpenrand durch 
Starkregen bei sich verclusternder Konvektion (um 25 l/qm/h) sowie lokal durch 
Hagel. Inwieweit sich auch abgesetzt von den Alpen in Richtung Oberschwaben noch
einzelne markante Gewitter entwickeln können muss abgewartet werden.

Dem gesamten Westen und Norden beschert das Bodenhoch PYTHAGORAS einen 
freundlichen, streckenweise auch sonnigen und trockenen Tag und auch über der 
Mitte und dem Osten lockert die dichte Bewölkung im Nachmittagsverlauf 
allmählich auf, dann nur mit einem örtlichen Schauerrisiko.

Die Maxima liegen im Norden bis zur Mitte zwischen 22 und 27 Grad und südlich 
der zentralen Mittelgebirge zwischen 25 und 30 Grad. Abseits der Konvektion weht
der Wind aus Nordwest bis Nord meist nur schwach bis mäßig.

In der Nacht zum Sonntag brodelt es am östlichen Alpenrand noch etwas, punktuell
mit markantem Starkregen, ansonsten sorgt seichter Geopotenzialanstieg für eine 
überwiegend trockene und klare Nacht. Allerdings können von Südwesten zeitweise 
dichte hohe Wolkenfelder besonders über den Westen nordwärts driften. 

Die Minima liegen im Süden zwischen 18 und 14 Grad und im Norden zwischen 13 und
7 Grad, bei einem kaum zu spürenden Wind aus Nordost, im Nordosten aus Südost. 

Sonntag... dreht mit erneutem Geopotenzialrückgang vor der Biskaya die 
Höhenströmung etwas mehr auf Süd und drückt die über der südlichen Mitte 
liegende (wetterinaktive) Kaltfront nun warmaktiv nach Norden. Diese sollte zum 
Abend die nördliche Mitte erreichen. 

Dabei strömt aus Südwesten erneut eine heiße Luftmasse bis zur Mitte und treibt 
die Maxima südlich und entlang der zentralen Mittelgebirge auf 30 bis 35 Grad. 
Die Luftmasse ist noch von der Abtrocknungsphase tags zuvor geprägt und weist 
erst südlich des Main langsam zunehmende Labilität auf. Allerdings sind im 
Alpenvorland bei maximaler Grenzschichtfeuchte 1000-2000 J/kg MLCAPE bei nur 
mäßiger westlicher Scherung zu erwarten. Bei PPWs um 35 mm steht der Starkregen 
bis in den ausgereizten Unwetterbereich punktuell im Vordergrund, neben lokal 
größerem Hagel und Sturmböen.
Da sich die Konvektion aber auf das direkte Alpenvorland beschränkt, wird für 
die Meisten im Süden ein sonniger und heißer Sonntag bevorstehen.

Im Norden scheint neben lockerer Quellbewölkung auch meist die Sonne und es 
bleibt trocken. Mit 25 bis 30 Grad wird es hochsommerlich warm und der Wind 
kommt nur schwach bis mäßig aus Nordost. Küstennah bleibt es kühler.

Die Nacht zum Montag verläuft meist klar und trocken. Inwieweit sich in der 
südwestlichen Höhenströmung einzelne Gewitter entwickeln ist noch zu unsicher, 
sollte aber weiter im Auge behalten werden. Die Minima liegen im Süden und 
Westen zwischen 20 und 17 Grad, im Norden und Osten zwischen 14 und 11 Grad und 
das bei einem schwachen Wind aus überwiegend östlicher Richtung.

Modellvergleich und -einschätzung
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Die Numerik hebt die Kurzfrist mit einer guten Modellkonsistenz hervor. 
Allerdings greift besonders am heutigen Freitag die Problematik mit der sehr gut
durchmischten Grenzschicht störend in die Vorhersage ein und sorgt für große 
Unsicherheiten bezüglich der Gewitteraktivität und des maximalen Böenpotenzials.
Ebenfalls gibt es bei den jeweiligen Kurzwellenpassagen geringe Unsicherheiten 
zwischen den Modellen mit Blick auf Intensität und Verlagerung. Abgesehen davon 
halten sich die Unsicherheiten aber in Grenzen. 

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Helge Tuschy